14 Sep 2014

Dustlands - Die Entführung

Dustlands - Die Entführung

Autor: Moira Young
Verlag: Fischer FJB
Seitenzahl: 464 Seiten
Band: 1 von 3

Inhalt:
In einer wilden und gesetzlosen Zukunft, in der das Leben wenig wert ist und das Überleben schwer, wächst Saba am abgeschiedenen Silverlake auf. Nur sehr selten sieht sie andere Menschen als ihren Vater oder ihre Geschwister. Bis eines Tages vier bewaffnete Reiter ihren Zwillingsbruder entführen. Saba schwört, Lugh zu finden. Auf ihrem abenteuerlichen Weg lernt sie die Welt jenseits des Silverlake kennen: ein Land, in dem es keine Zivilisation mehr gibt, keiner Bücher mehr, keine normalen Verkehrsmittel. Es wird von einem verrückten König beherrscht, der die Bevölkerung mit einer Droge und mit seinen Soldaten, den Tonton, in Schach hält. In Hopetown muss Saba in der Arena kämpfe. Eine Truppe von Rebellinnen kommt ihr zur Hilfe. Doch kann sie ihnen wirklich trauen?

Rezension:
Gleich vorweg mal zum Auffälligsten am ganzen Buch: Der Schreibstil. Die Hauptfigur Saba, zugleich Erzählerin der Geschichte, spricht und denkt in eigenartig abgehackten Sätzen und ich muss ehrlich sagen: Am Anfang hat mich das ziemlich abgeschreckt. Vor allem hat es mir zu Beginn auch den Eindruck vermittelt, dass Hauptfigur Saba ein bisschen stumpfsinnig denkt und womöglich dumm ist. Zugegebener Maßen hat auch der Rest des Buches meinen Eindruck einer leicht naiven Hauptperson nicht ganz verdrängen können, aber zunächst war es vor allem der Schreibstil, der mich ein vorschnelles Urteil über das Denkvermögen Sabas hat fällen lassen. Wenn man sich nun aber daran gewöhnt, merkt man schnell, dass der lebensnahe, ungekünstelte Stil gut zum Inhalt der Geschichte passt und insbesondere in das Umfeld einer dystopischen Zukunft ohne viel Bildung oder gar Bücher. Und Achtung, falls Du Wert auf viele Satzzeichen oder gar wörtliche Rede legst: gibt es nicht in diesem Buch. Nicht. Ein. Einziges. Mal.

Nun also zu Saba. Saba ist eine ungewöhnliche Hauptfigur, irgendwie weltfremd, selbst für die kahle Wüstenlandschaft der Zukunft, in der sie ihr Leben bis zur Entführung ihres Bruders verbracht hat. Saba wirkt auf den ersten Blick eher schlicht, gewöhnlich, mit dem einzigen coolen Special, dass sie einen mehr oder minder dressierten Raben ihr Eigen nennt, Nero. Obwohl Saba außer ihrem Bruder Lugh noch eine kleine Schwester, Emmi, hat, ist Lugh scheinbar ihr einziger Lebensinhalt. Während Saba für ihren Zwilling die halbe Welt durchqueren will, hasst sie Emmi. Dabei bleibt unklar, ob es nur daran liegt, dass Saba Emmi für den Tod ihrer Mutter verantwortlich macht, oder ob Saba womöglich einfach zu gefühlskalt ist, um der Existenz ihrer kleinen Schwester etwas Gutes abgewinnen zu können. Die Beziehung Saba-Emmi ist jedenfalls außergewöhnlich wie befremdlich zugleich.

Wenn die Geschichte erst mal an Fahrt aufgenommen hat wird es immer leichter den ganzen unkonventionellen Rahmen zu vergessen. Die Autorin schafft eine verstörende Zukunftswelt voller skrupelloser Menschen und Drogenabhängiger. Saba wird gezwungen in einer Arena auf Leben und Tod zu kämpfen und ohne je ernsthaft überlegen, oder außergewöhnlich zu wirken, gelingt es ihr, zum „Todesengel“ aufzusteigen – unbesiegte Kämpferin der Arena. Die ganze Arena-Geschichte erinnert dabei sehr an die Gladiatorenkämpfe im alten Rom und wer drei Mal verliert fliegt raus – und „rausfliegen“ meint in diesem Fall keineswegs irgendeine Form der Rückerlangung der verlorenen Freiheit… Trotz widriger Umstände gelingt es Saba Freunde zu finden, sowohl in der Arena als auch außerhalb und letztlich die Suche nach ihrem Bruder fortzusetzen.
Fazit:
Trotz vollkommen ungewohnter Schreibweise ein fesselnder Auftakt einer Trilogie. Auf den ersten Seiten muss man zugegebener Maßen ein bisschen Durchhaltevermögen aufbringen, aber wenn man es durch die anfänglichen Zweifel an der Eloquenz der Hauptfigur geschafft hat, vereinnahmt Sabas Geschichte den Leser vollkommen.

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