15 Oct 2014

Das falsche Herz des Meeres

Das falsche Herz des Meeres

Autor: Hilke Rosenboom
Verlag: cbj
Seitenzahl: 382 Seiten
Band: 1 von 1

Da schloss sich die Luke über ihr mit einem dumpfen Schlag. Das Schiff ruckte, oben knallten die Segel, der Schoner drehte sich langsam und nahm im nächsten Augenblick Fahrt auf. Der Gedanke hatte es schwer, sich in Leevkes Kopf festzusetzen. Das Schiff hatte den Anker gelichtet und war in See gestochen - und sie, Leevke Magnussen, 14 Jahre alte Kapitänswaise von der Insel, konnte nicht glauben, dass sie geraubt worden war.

Inhalt:
Im Jahr 1854 wird die Kapitänstochter Leevke Magnussen mit dem arabischen Handelsschiff Mogador entführt. Als Hanrib el Aniil, der eigentliche Besitzer des Schiffs, die Mogador zurückerobert, verspricht er Leevke, für ihre Rückkehr auf ihre Heimatinsel Wangerooge zu sorgen. Doch die Fahrt endet im marokkanischen Rabat. Dort bringt Hanrib sie im Palast seines Bruders unter. Umgeben von unermesslichem Luxus und eingeschlossen wie in einem goldenen Käfig, hat Leevke nur ein Ziel: Sie will zurück in ihre Heimat. Gerüchten, ihre Insel sei einer Sturmflut zum Opfer gefallen, will sie keinen Glauben schenken.

Rezension:
Die Autorin entführt den Leser auf eine fantastische Weltreise. Selbst auf der Hallig Wangerooge aufgewachsen lässt sie ihre Geschichte auf genau dieser kleinen Insel beginnen, mit Leevke, einer 14 Jährigen, die nichts anderes als das Leben umzingelt von der Nordsee auf plattem Land kennt. Als sie von Menschenhändlern geraubt wird, beginnt eine aufregende und entbehrungsreiche Reise und an letzterem ist sie selber Schuld. Sie entflieht dem goldenen Käfig, den Hanrib ihr bietet und muss auf die harte Tour lernen, alleine in der großen Welt zu überleben. Neben einer buntbeschriebenen Reise durch die unterschiedlichsten Kulturen des späten 19. Jahrhunderts lernt sie die vielen Schattenseiten der Welt kennen, arbeitet sich aber langsam in den verschiedensten Gesellschaften hoch, bis sie schließlich in Venedig Ruhm als Seidenfalterin erlangt. Was selbstverständlich ihren ewigen Verfolger, Hanrib, auf den Plan ruft (Keine Sorge, das klingt jetzt ein bisschen nach Stalker, aber so übel ist er nicht). Allein der Trip bunte, gefährliche Trip quer durch die Welt macht das Buch dabei schon lesenswert. Ganz zu schweigen von der ungeheuer gelungenen und detailreichen Schilderung von Leevkes Seefahrten – da merkt man, dass eine Friesin am Werke war!

Leevke als Figur gefällt mir dabei besser und besser, um so weiter das Buch voran schreitet. Sie wird halt weniger kindisch, rationaler und weltgewandter. Doch dabei, so gut es mir auch gefällt, verliert sie viel, insbesondere Freunde. Hanrib ist zweifelsohne auch ein gelungener Charakter in diesem stimmigen Abenteuerroman, doch so viel Mühe und Kunstfertigkeit die Autorin auch in den gesamten Rahmen der Geschichte, nein in die Geschichte selbst, gesteckt haben mag, der ganze Liebeskram ist mir ein wenig zu flach ausgefallen. Spannend bleibt es jedoch, weil die Liebe zwar die ganze Geschichte begleitet, aber nie ihr einziges Zentrum ist.

Letztlich ist es die Geschichte zweier Menschen, die sich zu vielen falschen Zeitpunkten in ganz Europa und Nordafrika immer wieder finden und dann doch verlieren. Es ist die Zeit in der Leevke erwachsen wird, 4 Jahre von 14 bis 18, in der sich alles verändert, insbesondere sie selbst. Freunde werden zu Feinden, und die Heimat ist nicht mehr da, wo Leevke sie immer vermutet hatte. Wangerooge ist plötzlich zu klein und die Welt auf einmal so groß und verlockend. Und dann ist da auch noch Hanrib, der Leevke Zeit gegeben hat um erwachsen zu werden und der ihr liebend gern den Rest des großen Welt zeigen würde.

Fazit:
Ein Fazit ist für mich an dieser Stelle ein bisschen schwierig. Ich weiß noch, dass mich das Buch maßlos begeistert hat, als ich jünger war. Es ist immer noch echt gut, aber mittlerweile sind mir auch schon bessere über den Weg gelaufen. Letztlich eine schöne, stimmige, sprachgewaltige Geschichte, mit sehr sehr viel Liebe zum Detail und eine (für mich etwas zu kitschige) Liebesgeschichte, die ohne Zweifel schön erdacht und aufgebaut ist und das, obwohl sich die „Liebenden“ auf etwa 90% der Buchseiten weder zu Gesicht bekommen, noch miteinander in Kontakt stehen. Empfehlenswert als Lektüre für jüngere Leser oder Freunde von Mädchengeschichten vor fantastischem Hintergrund.

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