21 Dec 2014

Solange du schläfst

Solange du schläfst

Autor: Antje Szillat
Verlag: Coppenrath
Seitenzahl: 250
Band: 1 von 1

Inhalt:
„Diesmal küsste die Prinzessin den Prinzen wach“, flüsterte ich und legte meine Lippen sanft auf seinen Mund. „Wach auf, Jérome …“ Ich betrachtete sein Gesicht, suchte darin nach einer Regung, nach einem Beweis, dass er mich verstanden hatte. Aber da war nicht. Nur der tiefe, unendliche Schlaf, der ihn gefangen hielt. „Ich werde herausfinden, was in jener Nacht geschehen ist“, sagte ich entschlossen. „Und dann kommst du zu mir zurück, Jérome, versprich mir das.“

Rezension:
Erst einmal zum gigantischen Pluspunkt, den dieses Buch verdient: Das Cover. Ich habe noch nie so ein aufwendiges Cover gesehen, meiner Meinung nach noch weitaus schöner als irgendwelche antiquarischen Prachtausgaben. Statt aufgedruckter Goldschnörkel überzeugt „Solange du schläfst“ mit einem gestanzten (?), jedenfalls wie geschnitzt wirkendem Herz aus dunklen Ranken. Man kann in der Mitte wirklich seine Hand hindurch stecken! Die Rosenranken, die auf dem Cover nur ein rotes Herz frei lassen sind mein persönliches Highlight des Buches. Seither ist mir nie wieder ein so aufwendig gearbeitetes Cover begegnet.

Jetzt zur Geschichte und den Personen. Anna und Jérome. Am Anfang, insbesondere durch die Wirkung des Covers, habe ich eine dornröschenartige Märchengeschichte erwartet. Vollkommen falsch! Am Anfang gibt es natürlich die Liebesgeschichte von Anna und Jérome, aber eigentlich stellt etwas ganz anderes den Mittelpunkt der Geschichte dar: Ein Verbrechen an Jérome, der von diesem Moment an im Koma liegt. Und Anna versucht die rätselhaften Geschehnisse im Dorf aufzudecken. Wir haben es hier mit einem echten Krimi zu tun! Liebelei spielt da nur am Rande eine Rolle, als Motivation für Anna, sich selbst in die Gefahren der Ermittlung zu begeben.

Anna ist als Hauptfigur authentisch und sympathisch. Fast die ganze Zeit wird aus ihrer Sicht geschrieben, nur einige wenige Stellen werden aus der verschwommenen Sichtweise des komatösen Jéromes beschrieben. Was ich nicht so gut finde, ist teilweise der Erzählstil. Anna ist eine Ich-Erzählerin, erzählt wird aber nicht nur was sie denkt, erlebt und fühlt, sondern sie „redet“ so von sich, als ob sie weiß, dass sie die Geschichte einem Externen erzählt. Ganz im Stile von „ich weiß, was ihr jetzt denkt, aber ich dachte damals das sei eine gute Idee!“. Das ist nicht so ganz mein Fall, aber im Wesentlichen wohl Geschmackssache.

Im Ergebnis war die Geschichte etwas vollkommen anderes, als ich erwartete hatte (auch als der Klappentext erwarten ließ), deswegen brauchte ich einen Moment mich darauf einzustellen. Vor der düsteren Kulisse eines kleinen Dorfes und einem schrecklichen Verbrechen an Jérome entsteht dann aber doch ein spannender Krimi.

Fazit:
Zu hundert Prozent anders, als es auf den ersten Blick scheint. Wer ein märchenhaftes Abenteuer oder eine ausdehnte Liebegeschichte erwartet ist hier vollkommen falsch. Klar, ein bisschen Liebesgeschichte gibt es schon, aber im Großen und Ganzen handelt es sich bei „Solange du schläfst“ um einen spannenden Thriller, mitten in der kalten, grausamen Realität. Wer Thriller erwartet kann hier Thriller bekommen!

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