11 Apr 2015

Die Feenjägerin (Orig.: the Falconer)

Die Feenjägerin: Roman

Autor: Elizabeth May
Verlag: Heyne
Seitenzahl: 400 Seiten
Band: 1 von 3

Inhalt:

Schön, talentiert und tödlich – Aileana Kameron hat nur ein Ziel: die Feen, die ihre Mutter getötet haben, zur Strecke zu bringen.

Ballsaison im Edinburgh des Jahres 1844: Jeden Abend verschwindet die junge und bildschöne Aileana Kameron für ein paar Stunden vom Tanzparkett. Die bessere Gesellschaft zerreißt sich natürlich das Maul über sie, aber niemand ahnt, was die Tochter eines reichen Marquis während ihrer Abwesenheit wirklich tut: Nacht für Nacht jagt sie mithilfe des mysteriösen Kiaran die Kreaturen, die vor einem Jahr ihre Mutter getötet haben – die Feen. Doch deren Welt ist dunkel und tückisch, und schon bald gerät Aileana selbst in tödliche Gefahr ...

Rezension:
Also dieses Buch, diese Art von Welt ist mal was ganz Neues. Wir haben es hier mit einer Geschichte zu tun, die grundsätzlich im prächtigen Edinburgh des 19. Jahrhunderts spielt, allerdings ist es anders, als man es kennt. Alles mutet ein bisschen „steampunk-artig“ an. So gibt es Flugmaschinen (Ornithopter), die wie gewaltige Fledermäuse durch die Luft gleiten und auf nachmittäglichen Tee-Parties schenkt ein kleiner mechanischer Arm den Tee aus. Aileana selbst ist eine große Erfinderin dieser Art von Maschinerien, jedoch in erster Linie für Pistolen, die beispielsweise Schallwellen aussenden um die bösartigen Fae zu verwirren oder Gerätschaften, die sie mit kleinen Sprengköpfen ausstattet um die Fae in ihre Einzelteile zu zerlegen. So viel zur „Umgebung“ der Geschichte.

Aileana finde ich persönlich etwas schwierig. Viele ihrer Entscheidungen sind für mich wenig einleuchtend. Insgesamt ist sie eine Hauptfigur, die in erster Linie von Wut, Hass und Trauer um den Verlust ihrer Mutter getrieben wird. Das ganze lässt auch den Beginn des Buches ein wenig langsam erscheinen, da zunächst viel über ihre Wut geredet wird, sowie über das Korsett aus gesellschaftlichen Regeln, in das sie mit ihrer Wut so gar nicht mehr hinein passen will.

Wer Gewalt erwartet, soll Gewalt bekommen. Aileane schlachtet ohne Witz hunderte Fae ab. Aber es gibt Lichtblicke! Umso weiter das Buch voran schreitet, desto mehr liebenswerte Details kommen plötzlich zum Vorschein. So wohnt in ihrem Schrank Derrick, ein kleiner Pixie, der ihre Kleidung nach den nächtlichen Abenteuern näht und süchtig nach Honig ist. Von Honig wird er ganz betrunken, er ist ein ganz hinreißendes Detail der Geschichte. Und dann ist da noch Kiaran. Kiaran scheint mir ein ziemlich gefühlsarmer, wenig hilfreicher Lehrmeister für Aileana in ihrem Rachefeldzug gegen die Fae zu sein. Das mysteriöse an ihm ist, er ist selbst einer der Fae. Erst auf den allerletzten Seiten erfährt man ein wenig über ihn, seine Vergangenheit und warum er Aileana hilft seine eigene Art umzubringen. Er trägt jedenfalls dazu bei, dass die gesamte Geschichte eher in einer düsteren Stimmung verläuft.

Kurz noch ein Highlight: Die schottische Feen- und Sagenwelt! Ich habe sie selten so detailreich erlebt, mit so vielen unterschiedlichen Aspekten und Bezeichnungen und Arten von Fae. Im Anhang finden sich Seiten aus Aileanas Notizbuch (mit witzigen Bemerkungen von Pixie Derrick) über die Fae, die vielen unterschiedlichen Arten und ihre Namen in Gälisch(?) oder Feensprache selbst, ich weiß es nicht genau. Definitiv ein lesenswerter und unerwartet fröhlich-witziger Abschnitt!

Fazit:
Es braucht einen ganzen Moment, bis es endlich richtig los geht. Aber wenn es dann soweit ist, erwartet den Leser eine interessante, nicht ganz gewaltarme, irgendwie Steampunk-artige Mischung aus prächtigem Edinburgh und düsterer Feenwelt. Wer nicht zu früh aufgibt wird zum Ende hin mit viel Spannung und auf der letzten Seite mit einem unerträglichen Cliffhanger belohnt^^ Mein Urteil insgesamt sehr durchwachsen, wegen des schwachen Anfangs, aber eigentlich ist die ganze Geschichte auch spannend.. schwierig! Aber wer nicht mit zu hohen Erwartung ran geht, wird sicher nicht enttäuscht sondern nett unterhalten werden.

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