14 May 2015

Love Letters to the Dead

Love Letters to the Dead: (deutsche Ausgabe)

Autor:
Ava Dellaira
Verlag: cbt
Seitenzahl: 407 Seiten
Band: 1 von 1

Inhalt:
Für Laurel ist der Beginn der Highschool ein Neuanfang. Keiner kennt sie an der neuen Schule, und keiner weiß von ihrer Schwester May, die erst vor ein paar Monaten gestorben ist. Ganz allmählich findet sie neue Freundinnen in Natalie und Hannah und sie verliebt sich in den geheimnisvollen Sky, der ihr immer wieder Blicke zuwirft. Doch es sind die Toten, denen sie ihr neues Leben in allen Höhen und Tiefen anvertraut. Denn als sie für den Englischunterricht einen Brief an eine verstorbene Persönlichkeit schreiben soll, wird daraus eine lange Briefkette an Kurt Cobain, Heath Ledger, Amy Winehouse, Janis Joplin und viele mehr. Und nur ihnen kann Laurel die Wahrheit anvertrauen darüber, was wirklich mit ihr und May geschah… Und so beginnt sie Love Letters to the Dead zu schreiben.

Rezension:
Weil ich nicht genau weiß, was ich zu diesem Buch sagen soll, versuche ich es einmal chronologisch. Am Anfang war ich absolut begeistert. Die Hauptfigur Laurel schreibt an tote Persönlichkeiten, beschreibt Teile derer Leben und vergleicht sie mit ihren eigenen Erlebnissen, Gedanken und ihrer Situation, seit ihre Schwester May gestorben ist. Laurel beschreibt auch ihre Umwelt, die neue High School und ihre neuen Freundinnen. Wie sie das erste Mal Alkohol trinkt, die Schule schwänzt und scheinbar auf eine völlig falsche Bahn gerät.

Ab dieser Momente fing mich auch genau das an zu stören. Laurel zeigt gar keine Persönlichkeit! Sie ist einfach da, stumpf, irgendwie unbeteiligt und vollkommen gefühlsarm. Wohl überfordert mit ihrer Situation, den getrennten Eltern, der toten Schwester, macht sie jeden blöden Scheiß mit. Plötzlich kommt sogar sexueller Missbrauch dazu, aber Laurel ist zu blass, zu matt, zu stumpf oder charakterlos (?) um sich wie ein normaler Mensch zu benehmen! Sie will unbedingt so sein wie ihre Schwester May, die in ihrer Vorstellung wie ein leuchtender Stern ist: mutig, fröhlich und cool. Dabei merkt man nach und nach, dass May gar nicht glücklich und strahlend war. Sie ließ sich mit zu alten Typen ein, trank und nahm womöglich Drogen. Aber es dauert ewig bis Laurel diese Dinge begreift! Der mittlere Teil der Geschichte frustriert.

Die Beschreibungen sind so real, kalt und oftmals ernüchternd. Von Geistern und Erinnerungen heimgesucht, geleitet von abgöttischer Liebe zu May, geht Laurel selbst irgendwie unter. Auch ihre Gefühle für Sky stehen nicht im Vordergrund, sie werden ebenso nüchtern und blass dargestellt, wie viele andere Komponente aus Laurels Leben. Das wirklich bewegende, tiefer gehende in der Geschichte sind allein diese vernünftigen, mitfühlenden Briefe an viel zu früh verstorbene Persönlichkeiten. Dank der Briefe und auch ein bisschen dank Sky findet Laurel dann doch wieder zurück ins Leben und ganz am Ende lernt man scheinbar das erste Mal Laurel kennen, sieht sie und ein wenig davon, wer sie eigentlich ist.

Das Ende hat dann wirklich alles wieder gerettet. Wenn man es auf die letzten 20 Seiten schafft merkt man, dass Laurel selbst langsam doch ein anständiger Mensch wird, weniger stumpf und irgendwie ein bisschen mehr erwachsen. Sie ist nicht mehr selbst so „tot“ und gefühlsarm, sondern scheinbar endlich in ihrer eigenen Welt angekommen, eine Welt in der May nicht vergessen, aber auch keine überidealisierte Wunderschwester mehr ist.

Fazit:
Begeisterung am Anfang, Frustration in der Mitte und Versöhnung am Ende. Ganz ehrlich, ich habe selten ein Buch gelesen, das mir so viel und dann wieder so wenig gefallen hat. Es hat enorme Höhen und Tiefen und doch bin ich am Ende mit einem ganz guten Gefühl aus der Geschichte heraus gekommen. Wegen seiner zahlreichen schönen, irgendwie auch bildenden Stellen würde ich es trotz einiger frustrierender Stellen weiterempfehlen. Und außerdem ist das Cover schön :D

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