21 Sep 2015

Feuer und Stein (Orig.: Outlander)

Feuer und Stein: Roman (Die Highland-Saga, Band 1)

Autor: Diana Gabaldon
Verlag: Blanvalet
Seitenzahl: 800 Seiten
Band: 1 von 8

Inhalt:
Man schreibt das Jahr 1945. Claire Beauchamp Randall, die bis vor kurzem als Krankenschwester an der Front gearbeitet hat, verbringt die zweiten Flitterwochen mit ihrem Mann Frank in den schottischen Highlands. Als sie bei einem Spaziergang nichtsahnend einen magischen Steinkreis berührt, verliert sie das Bewusstsein – und erwacht mitten im Schlachtgetümmel schottischer Rebellen, im Jahr 1743.
Das Schottland dieser Epoche unterscheidet sich beträchtlich von dem friedlichen Ort, den Claire soeben mysteriöserweise verlassen hat: Die schottischen Clans kämpfen erbittert gegen die englische Besatzung; die Highlander sind geprägt von Rebellion und Verrat, von Aufklärung, Aberglaube und Hexenwahn. Und mitten unter ihnen Claire – eine Frau des zwanzigsten Jahrhunderts, eine beargwöhnte Fremde, die die Menschen durch ihr seltsames Auftreten, ihre ungewöhnliche Sprache und ihre eigenartigen Kenntnisse in Aufruhr versetzt. Da begegnet sie James Fraser, dem mutigen Clanführer, der ihr mehr als einmal in lebensbedrohlichen Situationen zu Hilfe eilt und lernt eine ganz neue Seite der schottischen Highlands kennen.

Rezension:
Zuerst muss ich das absolut außergewöhnlichste an dem Buch erwähnen: Ich habe es ja auf Englisch gelesen und die Autorin hat sich ernsthaft die Mühe gemacht, quasi die ganze Zeit im schottischen Akzent zu schreiben, mit der Menge schottischer Wörter. Das war ungefähr das komplizierteste, was mir bisher an Lesestoff über den Weg gelaufen ist. Aber wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, wird die ganze Geschichte dadurch nur noch ein bisschen uriger, glaubwürdiger und auch urtümlicher. Wer davor also nicht zurück scheut, der sollte es ruhig mal mit dem verqueren schottisch-englisch versuchen! Nachdem mich das Buch so mühelos überzeugen konnte habe ich kürzlich auch die Serien-Verfilmung begonnen zu gucken, und da ist das schottisch-englisch weitaus schwieriger zu verstehen, als wenn man es bloß liest. Generell zur Verfilmung: Ziemlich gelungen, man sollte allerdings vorher das Buch gelesen haben um etwaigen Verständnislücken vorzubeugen ;)

Jetzt zum Buch! Wow. So eine beeindruckende historische Genauigkeit, die mühelos in eine vollkommen andere Zeit versetzt, ist mir selten zuvor begegnet. Selbst im Alltag fesselt das Buch die Gedanken und ließ meine immer wieder zu Geschehen im Buch zurückkehren. Mitverantwortlich dafür ist zweifelsohne auch die wohl epochenbedingt stets vorhandene Lebensgefahr für so ziemlich alle Beteiligten und die wagemutigen Maßnahmen zum Entfliehen eben solcher Gefahren. Das Buch war schonungslos detailgetreu und ist deswegen einer jüngeren oder zu zart besaiteten Leserschaft bestimmt nicht zu empfehlen. Allerdings ist mir auch selten ein so gut, spannend und gleichzeitig humorvoll geschriebenes Buch begegnet. Die Autorin hat so viele fantastische Ideen für kleine Monologe, mit einem ganz feinen Witz dahinter, so dass ich mehr als nur einmal schmunzelnd vor dem Buch saß. Auch beherrscht sie die einmalige Fähigkeit Geschehnisse, selbst wenn sie bloß von einer Figur der anderen Figur erzählt werden, sehr „darstellend“, „bildlich“ zu beschreiben, sodass ich als Leser immer ein ganz genaues Bild in meinem Kopf hatte.

Diana Gabaldon, die ja schon ewig und massenhaft Bücher schreibt hat es also echt drauf. Dieses Buch ist erstmals 1991, also vor 24 Jahren erschienen! Ganz abgesehen davon hat es übrigens auch die Geschichte selbst ziemlich in sich. Obwohl sie so lang ist lässt sie keinerlei Langeweile aufkommen. Und dadurch, dass viel geschichtliche Genauigkeit vorhanden ist und man das drohende Übel am Horizont schon erahnt und weiß, dass es unausweichlich sein wird, wird das Buch nicht etwa plump oder vorhersehbar, sondern bekommt eine ganz eigene unterschwellige Dramatik, denn irgendwie hofft man ja doch, das alles gut ausgehen wird. Ich hatte mein Interesse an historischen Romanen jedenfalls weitestgehend zugunsten moderner Fantasy-Abenteuer abgeschrieben, doch jetzt ist es wieder voll da und ich bin sehr gespannt auf Teil 2 der Reihe, Dragonfly in Amber!

Fazit:
Nachdem ich schon länger keinen historischen Roman mehr gelesen habe, war ich am Anfang ein wenig skeptisch, ob mich dieser hier würde fesseln können. Meine Skepsis war vollkommen unbegründet! Dieses Buch war schlicht und ergreifend unglaublich. Es war so erschreckend real, so viel Gewalt, ungewaschene Schotten und Gefahren, aber andererseits waren da auch die mystischen gaelischen Märchen und die raue, aber gleichzeitig irgendwie charmante Art der Highlander. Über ganze 800 Seiten hinweg hat mich die historisch detailreich dargestellte Geschichte nicht den winzigsten Moment gelangweilt. Für Freunde des historischen Schottlands definitiv eine Leseempfehlung!

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