29 Sep 2015

Wie verhext - Ein grimmiges Märchen

Wie verhext (Ein grimmiges Märchen 1)

Autor: Chanda Hahn
Verlag: Amazon Crossing
Seitenzahl: 210 Seiten
Band: 1 von (bisher) 5

Inhalt:
Mina Grime ist vom Pech verfolgt, unbeliebt und tollpatschig, jedenfalls bis sie ihrem Schwarm auf einem Schulausflug das Leben rettet, wodurch sich ihr Status an der Highschool über Nacht von Loser zu Heldin ändert.
Doch der frisch erlangte Ruhm fördert auch das Unglück in Form eines alten Familienfluchs zutage. Denn Mina stammt von den Brüdern Grimm ab und hat deren sämtliche unerledigte Märchenangelegenheiten geerbt. Das bedeutet unter anderem, dass sie eine Geschichte mit einem machtvollen Eigenleben überlisten muss, damit sie nicht zu deren nächstem Märchenopfer wird.
Um den Märchenfluch aufzuheben, der auf ihrer Familie liegt, und die todbringenden Ereignisse zu vereiteln, muss Mina die Märchen bis zu deren sehr grimmigem Ende führen.

Rezension:
Aufmerksam geworden bin ich auf das Buch wegen seines Titels, allerdings auf Englisch: Unenchanted. „Un-Verzaubert?!“ Wohl eher verflucht! Und die Inhaltsangabe hat gleich Lust auf mehr gemacht: Es erwartet den Leser ein unglaubliches, spannendes und märchenhaftes Spektakel. Dabei wird nicht mit bitterer Realität gegeizt, sondern es passiert genau das, was „echte“ Märchen eigentlich ausmacht. Es ist nicht alles zuckersüß und rosa sondern auch mal düster, gefährlich und grimmig. Und für Hauptfigur Mina zaubert sich nicht alles zum Besseren, sondern alle märchenhaften Kräfte machen ihr das Leben nur noch viel schwerer. Im Ernst, der gesamte Rahmen der Geschichte ist einfach nur gelungen! Und außerdem hat es bei mir den Gedanken in Gang gebracht, ob der Name der Gebrüder Grimm wohl wirklich in irgendeinem Zusammenhang mit dem Adjektiv grimmig steht.. Naja, wer weiß ;)

Zurück zum Buch! Regelmäßig lästere ich ja über Bücher, die nicht aus einer Ich-Erzähler-Perspektive erzählt werden. Oft schaffen sie es einfach nicht, den Leser mit der Hauptfigur zu verbinden, ein Identifikationspotenzial zu schaffen und damit zu fesseln und mitzureißen. Hier habe ich erstaunlicherweise nicht einmal gemerkt, wer erzählt! Ganz am Ende habe ich nachgeguckt, ob Mina eigentlich selber erzählt und Überraschung: Nein! Trotzdem konnte man ganz einfach mit ihr mitfühlen, sich ihre tollpatschige Art vorstellen und den Druck des Fluches selber spüren. Mina, eigentlich Wilhelmina Grimm, ist eine tolle, vernünftige und absolut authentische Hauptfigur, mit einem tollen Galgenhumor und ganz viel Herz. Und das obwohl sie so ein unglückliches, niederschmetterndes Leben hatte, das ihr scheinbar wirklich wenig ausmacht. Selten habe ich einer Figur mehr Gutes und endlich auch mal Glück und Liebe gewünscht!

Und das bringt mich zu den anderen Figuren der Geschichte, die vielleicht für oben genanntes sorgen könnten. Wenn der Fluch es denn zuließe… Mina zur Seite stehen eine exzentrische aber liebenswerte beste Freundin, die zugleich ein großer Stern am Twitter-Himmel ist, der Schulschwarm, der in ihrem Märchen eine ebenso bezaubernde wie tragische Rolle einnimmt, und einer der Fae, der Mina scheinbar hilft du womöglich alles ist, was ihr am Ende bleibt. Und das ist auch schon das Stichwort, das Ende. Ich hab selten etwas derart unerwartetes gelesen und selten etwas so.. betäubendes. Also wow, ich kann es wirklich kaum beschreiben. Aber wenn es eines verdeutlicht ist es, dass das Buch seiner grimmigen Linie treu bleibt und was für den einen wie ein Märchen scheinen mag ist für Mina nichts, als ein entsetzlicher, endloser Fluch.

Fazit:
Was für ein unerwartet großartiges Buch!! Am Anfang war allein meine generelle Begeisterung für Märchen (insbesondere die der Gebrüder Grimm) ausschlaggebend, dieses Buch überhaupt in die Hand zu nehmen. Aber der Inhalt.. wow. Endlich mal ein Buch, das den in Wahrheit oft düsteren Märchen gerecht wird! Dieses Buch wird definitv meine Leseempfehlung des Septembers, es passt sogar stimmungstechnisch gut in den anbrechenden Herbst: Ein bisschen düster, einige Lichtblicke und das Ende lässt einen frösteln. Obwohl es keinen Ich-Erzähler gibt (sonst ja ein KO-Kriterium für mich) schafft die Autorin es mitreißend und spannend zu erzählen. Kurz: Es war fantastisch, lesen!

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