30 Oct 2015

Das Licht der letzten Tage

Das Licht der letzten Tage: Roman

Autor: Emily St. John Mandel
Verlag: Piper
Seitenzahl: 416 Seiten
Band: 1 von 1

Inhalt:
Hoffnungsvoll düster, schrecklich zart und tragisch schön.
Niemand konnte ahnen, wie zerbrechlich unsere Welt ist. Ein Wimpernschlag, und sie ging unter. Doch selbst jetzt, während das Licht der letzten Tage langsam schwindet, geben die Überlebenden nicht auf. Sie haben nicht vergessen, wie wunderschön die Welt war. Sie vermissen all das, was einst so wundervoll und selbstverständlich war, und sie weigern sich zu akzeptieren, dass alles für immer verloren sein soll. Auf ihrem Weg werden sie von Hoffnung geleitet – und Zuversicht. Denn selbst das schwächste Licht erhellt die Dunkelheit. Immer.

Rezension:
Das Buch hat meine Aufmerksamkeit mit seinem Cover geweckt. Irgendwie schön, zarte Farben und dann noch so ein dramatischer Name: Das Licht der letzten Tage. Wenn das mal nicht nach einem bevorstehenden Ende klingt. Zu Beginn des Buches war ich allerdings etwas verwirrt. Noch war alles in der Welt in Ordnung und als Leser wurde man in eine total seltsame Situation geworfen. Viele fremde Menschen und alles etwas unübersichtlich. Erst nach und nach hat sich dabei die Geschichte entfaltet und wurde plötzlich immer erstaunlicher. Denn alle Menschen, bekannt miteinander vielleicht über drei, vier, wenn nicht sogar noch mehr Ecken, hängen irgendwie miteinander zusammen und fügen die Bruchstücke eines Weltuntergangs zusammen zu einer ganz und gar überraschenden Geschichte.

Das Buch wird dabei in 9 Teilen erzählt. Am Ende der Teile und Kapitel passieren manchmal ganz eigenartige Dinge. Oft enden sie mit einem Gänsehaut-Satz, so etwas à la Alle sind glücklich und lachen – denn noch weiß niemand, dass es das letzte Mal sein wird. Wisst ihr? Ich liebe diese winzigen Momente, in denen der Erzähler durchscheinen lässt, dass er mehr weiß als seine Figuren. Überhaupt wird aus der Sicht von gleich einer ganzen handvoll Figuren geschrieben, etwas, woran ich mich erstmal gewöhnen musste, weil es wie gesagt dauert, bis die Geschichte langsam ein Ganzes ergibt. Dabei versteht die Autorin es geschickt Hinweise und Details einzuarbeiten, ohne dass sie einem zunächst auffallen. Erstaunlicherweise gibt es auch hin und wieder einen Ich-Erzähler. Ein großes Rätsel für mich, denn wer ist „Ich“?!

Wortgewaltig und gleichzeitig todernst stellt sie die Realität nach einer alles vernichtenden Epidemie, der Georgischen Grippe, dar und ganz ehrlich: Ihre Version des Endes ist für mich die Realistischste, die ich mir vorstellen kann. Dabei erkennt man, wie viele tolle Dinge verloren gingen, aber wie viel Schönheit auch ohne. bzw. außerhalb der "Zivilisation" bleibt. Die eigenartige Kulisse eines wandernden Shakespeare-Theaters inklusive eigenen Orchesters gibt dem Buch letztlich seinen ganz besonderen Charakter. Alle Menschen nach dem Ende erinnern sich an ihre Zeit davor zurück, und obwohl es um eine Suche nach Freunden in einer halb verlassenen Welt geht, kommt weit mehr normale Realität darin vor, als ich zunächst erwartet hatte. Dabei hat mir gut gefallen, wie nüchtern viele Dinge geschildert wurden. Gleichzeitig war es manchmal schwierig zu verstehen, warum einige Szenen in das Buch Einzug gehalten haben. Einige Geschichtsbruchstücke fand ich daher leider überflüssig und sie haben meinen Lesefluss abreißen lassen.

Fazit:
Was für ein überraschendes Buch. Es ist eine ganz erstaunliche Mischung aus Zeitsprüngen, Geschichtssträngen und Geschehnissen und dennoch hat jede Seite meine Neugier auf das Ende (würde es überhaupt ein zufriedenstellendes Ende geben können?!) gesteigert. Irgendwie endet alles mit dem Anfang und das war schön und traurig zugleich. Überhaupt kann der Leser sich auf unerwartete Verknüpfungen und ein bittersüßes Gefühl einstellen, wenn er diesen Roman beendet. Mir hat er sehr gut gefallen. Einziger Kritikpunkt: Manchmal waren mir die Erzählabschnitte etwas zu klein und etwas zu abgehackt.

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